NEWS / 02.11.2026
Schweizer Automarkt wächst - bleibt aber hinter EU-Durchschnitt zurück
Posted by: Mario Borri
Der Schweizer Markt für Personenwagen verzeichnet im Oktober ein moderates Wachstum. Die 18’986 erstmaligen Zulassungen bedeuten ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres (18’451). Trotz dieses scheinbar positiven Ergebnisses bleibt das Gesamtniveau weiterhin niedrig. Nach zehn Monaten liegt das Wachstum lediglich bei 2,7 Prozent gegenüber dem bereits sehr schwachen Vorjahreswert. Von einer dauerhaften Erholung kann nach wie vor nicht gesprochen werden. Somit bleibt die seit der Pandemie schleppende Entwicklung des Gesamtmarktes eine der grossen Herausforderungen für die gesamte Branche.
Im Vergleich zu Europa wird die angespannte Lage der Schweizer Autobranche deutlich. Während der Gesamtmarkt in der EU in den ersten neun Monaten um 5,7 Prozent zulegte, besteht im Schweizer Markt weiterhin Nachholbedarf. «Die anhaltende Schwäche des Marktes belastet die gesamte Automobilbranche und verlangsamt die dringend benötigte Erneuerung des Fahrzeugbestands. Diese Überalterung wirkt sich negativ auf die Sicherheit und auf die Umwelt aus. Wer sich für mehr Verkehrssicherheit und weniger Emissionen einsetzt, muss die Erneuerung des Fahrzeugbestandes beschleunigen, statt sie durch zusätzliche Regulierungen auszubremsen.», so Mario Bonato, Chefökonom von Auto-Schweiz. Das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestandes erreichte mittlerweile mit 11 Jahren einen neuen Negativrekord.
Weiterhin positiv entwickelt sich die Nachfrage nach reinen Elektro-Personenwagen (BEV). Im Oktober wurden 6620 neue Elektroautos registriert (Vorjahr: 4175). Seit Beginn des Jahres kamen insgesamt 52’084 reine Elektro-Personenwagen neu auf die Strassen. Das entspricht einem Wachstum von 30,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (39’900). Somit beträgt der BEV-Anteil inzwischen 27,1 Prozent sämtlicher Neuzulassungen. Mehr als jedes vierte neu zugelassene Auto fährt damit rein elektrisch. Für ein stärkeres Marktwachstum sind attraktivere Rahmenbedingungen nötig, insbesondere ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Verzicht auf zusätzliche steuerliche Belastungen.
Während die Europäische Union ihre Autoindustrie regulatorisch deutlich entlastet, bleibt eine vergleichbare Flexibilisierung in der Schweiz bislang aus. Bisher hat die Schweiz keine der dringend erforderlichen Erleichterungen umgesetzt. Schweizer Autoimporteure sind somit weiterhin an starre jährliche Zielwerte und erhebliche Sanktionsrisiken gebunden. Dieser regulatorische «Swiss Finish» bringt zusätzliche Nachteile im Wettbewerb und belastet einen ohnehin schwachen Markt.
Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz, erklärt: «Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU ihre Automobilbranche entlastet, während die Schweiz weiter an einer übertrieben strengen CO₂-Regulierung festhält und dadurch erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Dass sich die Kluft zwischen Erholung in Europa und Stagnation in der Schweiz immer weiter öffnet, sollte daher niemanden überraschen.»