NEWS / 21.01.2026
Die Schweizer Automobilitätspolitik braucht dringend eine Kurskorrektur
Posted by: Fabio Simeon
Der Schweizer Personenwagenmarkt befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Mit rund 234’000 Neuzulassungen im Jahr 2025 wurde – abgesehen von der Corona-Pandemie – der niedrigste Wert seit 25 Jahren erreicht. Während sich andere europäische Märkte langsam erholen, bleibt die Schweiz deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Für auto-schweiz ist diese Entwicklung hausgemacht.
Hohe Energiepreise, regulatorische Unsicherheit und fehlende marktwirtschaftliche Anreize bremsen die Nachfrage. Dabei ist das Angebot vorhanden: Rund 300 elektrifizierte Personenwagen sowie zahlreiche Nutzfahrzeuge stehen in allen Segmenten zur Verfügung. Trotzdem lag der Marktanteil der Steckerfahrzeuge 2025 mit rund 34 Prozent deutlich unter den politischen Zielwerten.
auto-schweiz-Präsident Peter Grünenfelder sieht die Ursache nicht bei der Branche, sondern bei den politischen Rahmenbedingungen. Hohe Strompreise, eine ungenügende Ladeinfrastruktur in Städten sowie neue Steuer- und Abgabenpläne verunsichern private und gewerbliche Kunden. «Statt Mobilität zu verteuern, braucht es Investitionssicherheit und verlässliche Signale», so Grünenfelder.
Der Verband fordert deshalb einen Abbau bürokratischer Auflagen, den Verzicht auf neue Steuern, die Abschaffung der 4-prozentigen Automobilimportsteuer sowie mehr Wettbewerb im Strommarkt. Gleichzeitig soll die Schweiz europäische Flexibilisierungen bei den CO₂-Vorgaben übernehmen und auf einen kostentreibenden Sonderweg verzichten.
Kritisch beurteilt auto-schweiz auch zusätzliche Abgaben auf Elektrofahrzeuge. Diese würden den Markthochlauf bremsen, solange E-Autos noch einen geringen Anteil am Gesamtfahrzeugbestand ausmachen. Stattdessen brauche es den beschleunigten Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie Planungssicherheit für Unternehmen.
Zudem fordert der Verband, dass die jährlich rund 13 Milliarden Franken an Steuern und Abgaben, welche die Automobilisten bereits leisten, konsequent der Verkehrsinfrastruktur zugutekommen. Nur mit realistischen Zielen, Technologieoffenheit und bezahlbarer Mobilität lassen sich Klimaschutz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachhaltig verbinden.