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Opel / 19. November 2020

Viele Gesichter – eine Mission

Mit dem Vivaro-e- lanciert Opel ihr erstes rein elektrisches Nutzfahrzeug. Wir sind den Vollzeit-Stromer an seiner Premiere gefahren.

Immer mehr Kommunen wünschen für die «letzten Meilen» ihrer Produkte und Dienstleistungen eine lokal emissionsfreie Mobilität – ein Wunsch, welchem der neue Vivaro-e nachkommt. Der elektrische Transporter mit Blitz-Emblem verspricht mit seinen zwei Batteriegrössen 50 kWh sowie 75kWh und seinem 136 PS starken Elektromotor, Reichweiten von 230 bzw. 330 Kilometern.

Angenehmes Fahrfeeling
Unser Testfahrzeug verfügt über die grosse Batterie und bestätigt die angepriesene Effizienz: Nach 100 Kilometern Fahrt zeigt die Poweranzeige noch immer zwei Drittel Ladung an. Zum Fahrverhalten: Der lautlose Antritt ohne Gangwechsel ist vor allem bei einem Nutzfahrzeug ein selten erfahrenes, aber angenehmes Gefühl. Der tiefere Schwerpunkt, dank verbauter Batterie im Fahrzeugboden, verhilft zu spürbar mehr Stabilität in den Kurven – in einem Kastenwagen vor allem im beladenen Zustand nicht unwichtig.

Einer für alle Fälle 
Der Vivaro-e wird in den drei Fahrzeuglängen Small (4,60 m), Medium (4,95 m) und Large (5,30 m)  angeboten – als klassischer Kastenwagen, als Doppelkabine oder Kombi (Preise nicht bekannt). Lediglich die Batteriegrösse schränkt die Längenwahl ein, denn der grosse Akku benötigt den langen Radstand, also M oder L. Dass gilt auch für den baugleichen aber als Personenwagen deklarierte Opel Zafira e-Life mit bis zu neuen Sitzen. Beide werden zur selben Zeit aus den Showräumen der Händler blinzeln und die ersten Modelle werden noch dieses Jahr an die Kunden ausgeliefert.  

Unfreiwilliger Praxistest für Assistenzsysteme 
Der Vivaro-e bietet nicht nur viel Platz, sondern auch viel Hilfestellung. Neben einem Head-up-Display gibt’s gegen Aufpreis Spurhalteassistent, erweiterte Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarnung, semiadaptive Geschwindigkeitskontrolle, einen Notbremsassistenten und Frontkollisionswarner. Letztere beiden Hilfen funktionieren übrigens einwandfrei, wie sich dank vortrittsmissachtendem Roller-Raudi herausstellte. Für weniger Blechschaden beim Parkieren sorgen Ultraschallsensoren an Bug- und Heckschürze und eine Rückfahrkamera, die ihr Bild je nach Ausstattung auf den Innenspiegel oder den Sieben-Zoll-Monitor, im letzteren Fall mit 180-Grad-Blickwinkel aus der Vogelperspektive, überträgt. (fs)


«Der Vorteil liegt in der Reichweite»


Die ersten zwei Generationen des Opel Vivaro sind mit fast einer Million verkaufter Modelle wichtige Stützen im Segment der leichten Nutzfahrzeuge. Daran soll die neue voll elektrifizierte Version Vivaro-e anknüpfen. Wie und warum das gelingen soll, erklärt Peter Kuhn, Group Manager Product Light Commercial Vehicles, im Exklusivinterview.



Peter Kuhn (l.) im Gespräch mit Redaktor Fabio Simeon


electric-wow: Die Konkurrenz schläft nie - auch nicht bei elektrifizierten Nutzfahrzeugen. Was hat der Vivaro-e, was andere nicht haben? 
Kuhn: Zurzeit sind noch nicht viele «wirkliche» Konkurrenz-Modelle auf dem Markt – die Konzerngeschwister E-Jumpy und E-Expert mal ausgenommen. Der Vorteil zur «echten Konkurrenz» liegt ganz klar in der Reichweite: die 330 Kilometer nach WLTP sind ein unerreichter Höchstwert. Zudem hat der Vivaro-e bis zu 1275 kg Nutzlast und zieht mit 1000 kg Anhängelast wortwörtlich an die Segmentspitze.

Und warum sollten Käufer nicht zu den PSA-Konzerngeschwistern auf gleicher EMP2-Plattform greifen
Natürlich ist der Vivaro-e grundsätzlich baugleich wie seine Konzerngeschwister, unterscheidet sich aber im Front- und Ccokpit-Design und durch markenspezifische Optionen. Oft spielen bei der Modellwahl im Nutzfahrzeugsegment das Händlernetz und die Kundenpräferenzen die entscheidende Rolle.

Opels erstes E-Nutzfahrzeug kommt in drei Längen und mit zwei Batteriegrössen – also sechs Gewichtsklassen?
Nein, nicht ganz. Die 75 kWh Batterie benötigt den grösseren Radstand, welcher nur in der mittleren oder der langen Variante verbaut ist. Die 50kWh Batterie ist für alle drei Fahrzeuglängen erhältlich. Im Grunde haben wir dasselbe Modellportfolio wie auch bei den Diesel-Varianten: also drei verschiedene Längen sowie Kastenwagen-, Doppelkabine oder Kombivariante.

Nutzlast und Reichweite stehen bei E-Nutzfahrzeugen im Fokus. Ein Zielkonflikt?
In der Praxis ist es tatsächlich so, dass die Reichweite bei zunehmender Nutzlast abnimmt – jedoch nicht so frappant wie viele denken. Im Gegensatz zum Verbrenner wird die kinetische Energie beim Abbremsen zurückgewonnen – also recycelt. Die Masse hat vor allem im urbanen Umfeld weniger negative Einflüsse auf die Effizienz als bei einem Diesel.

Die kleine Batterie verspricht 230 Kilometer Reichweite, die grosse 330 Kilometer. Soll damit vor allem die oft diskutierte letzte Meile abgedeckt werden?
Der Grundgedanke der letzten Meile ist sicherlich richtig, da der Vivaro-e die Kundenbedürfnisse vieler gewerblicher Kunden wie z.B. Lieferdienste und Firmen im Servicebereich abdeckt. Jedoch glauben wir, dass sich unser Fahrzeug weit über die letzte Meile hinaus eignet. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Batterie an einem 100 kW-Schnellcharger innerhalb von 30 bzw. 45 Minuten wieder auf 80% der Ladung aufgeladen werden kann – so können auch mal Fahrten unternommen werden, die mehrere 100 Kilometer am Tag betragen. Generell rate ich den Kunden, das Fahrzeug auf ihrer persönlichen Strecke zu testen, um die realen Bedingungen zu ermitteln. Dann kann der Kunde mit Gewissheit entscheiden, ob es die grosse oder kleine Batterie sein soll.

Auch Garantie und Wiederkaufswert sind wichtige Themen beim E-Antrieb. Welche Argumente sprechen hier für Opel?
Wir gewähren auf die Batterie eine Garantie von acht Jahren oder 160'000 km. Diese Kilometerzahl wird einen Grossteil der Fahrleistung unserer Kunden abdecken. Darüber hinaus bieten wir über unseren Aftersales-Service die Zertifizierung der Batterie an. Das bedeutet: Unsere Kunden bekommen vom Opel Händler ein Zertifikat über die Kapazität ihrer Batterie. Wenn sie das Fahrzeug verkaufen möchten, haben Sie ein offizielles Dokument, welches dem Käufer die reale Ladekapazität bescheinigt. Das gibt dem Verkäufer und dem Käufer eine Sicherheit und schützt den Wiederverkaufswert des Opel Vivaro-e.

Zu guter Letzt: Wann steht der Vivaro-e bei den Schweizer Händlern?
Der Vivaro-e ist bereits ab 39‘490 Franken bestellbar. Noch in diesem Jahr rollt der emissionsfreie Transporter in der Schweiz zu den ersten Kunden. (fs)

 

 

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